CSR: Chancen nutzen, Erwartungen in Grenzen halten

Interview über die Perspektiven der Kooperationen zwischen Wirtschaft und Sozialem

FORUM sprach mit Dr. Jörg Steinhausen, Landesgeschäftsführer des Paritätischen NRW.

FORUM: Wie schätzen Sie die unternehmerischen Aktivitäten im Sozialen ein, die sich mit dem Begriff Corporate Social Responsibility verknüpfen?

Dr. Jörg Steinhausen: Zunächst einmal muss man feststellen, dass es ja nicht neu ist, wenn sich Unternehmen gesellschaftlich engagieren. Mit Spenden, Sponsoring, Stiftungen und Belegschaftsprojekten haben wir in der Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht. Wenn Unternehmen jetzt erkennen, dass sie mit einer zivilgesellschaftlichen Verantwortungsethik ihre Marktchancen verbessern, dann ist das die konsequente Weiterentwicklung unternehmerischer Strategien.

FORUM: Was bedeutet das für die Mitgliedsorganisationen des Paritätischen?

Dr. Jörg Steinhausen: Vor allem ist es eine gute Gelegenheit für die sozialen Organisationen, selbstbewusst ihre Interessen zu artikulieren, denn sie haben in aller Regel ein gutes Image, das die Unternehmen für sich nutzen möchten. Kooperationen „auf gleicher Augenhöhe“ müssen von beiden Seiten erstmal eingeübt sein, denn es sind häufig unterschiedliche Welten, die dort aufeinander stoßen.

FORUM: Stehen wir vor einer neuen „Epoche­“ zivilgesellschaftlicher Entwicklung?

Dr. Jörg Steinhausen: Ich glaube, die jetzige Entwicklung bietet gute Chancen für soziale Initiativen. Doch man sollte nicht zuviele Hoffnungen hinein setzen. Die Beispiele beim „Anstoß Parität“ haben gezeigt, dass wir uns am Anfang einer vorsichtigen Annäherung befinden. Unternehmen können soziale Innovationen fördern und neue Ideen auf den Weg bringen. Sie bringen ihr Know-how und ihr Geld ein – zum gegen­seitigen Nutzen. Sie können aber nicht die soziale Infrastruktur ersetzen. Die bleibt nach wie vor eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft. Der Staat hat die Verantwortung für das soziale Gefüge und die gemeinnützigen Träger bringen sich mit ihrer Fachlichkeit und ihrem Engagement ein. Unternehmen sind dabei willkommene Partner.

FORUM: Da schwingt auch ein kritischer Unterton durch...

Dr. Jörg Steinhausen: Selbstverständlich, und das ist auch beim „Anstoß 2008“ deutlich geworden: Unternehmen haben beim CSR ihre berechtigten Interessen. Es wird schwierig bleiben, für soziale Arbeitsfelder, die nicht beson­ders „imageträchtig“ sind, Partner in der Wirtschaft zu finden. Die Zuverlässigkeit einer finanziellen Förderung ist schon bei der öffent­lichen Hand nicht immer gegeben; das zeigen die jährlichen Haushaltsberatungen. Verträge mit Wirtschaftsunternehmen können den sozialen Trägern nur begrenzt die notwendige Planungssicherheit geben.

FORUM: Ist es für den Paritätischen ein neues Aufgabenfeld, die CSR-Aktivitäten von Unternehmen für die Mitgliedsorganisationen des Verbandes zu erschließen?


Dr. Jörg Steinhausen: Das darf keine „Eintagsfliege“ bleiben. Wir werden uns weiter aktiv beteiligen, um Unternehmen und gemeinnützige Organisationen zusammen zu bringen. Wir wollen in diesem Jahr eine Kompetenz- und Kontaktstelle einrichten, um den Dialog zu erleichtern. Das geht derzeit zwar nur mit sehr begrenzten Ressourcen aber mit hoher Priorität. Die Gründung von Geldberatung und Stifterverbund haben gezeigt, dass der Verband schon sehr frühzeitig die erforderlichen Instrumente geschaffen hat, um neue Entwicklungen für seine Mitglieder nutzbar zu machen.


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