Anstoß 2008: Engagiert unternehmen - Sozialer Ausgleich als Gewinn

Kooperationen zwischen Wirtschaftsunternehmen und sozialen Initiativen fördern

Die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Sozialem stand im Mittelpunkt des „Anstoß Parität 2008“ am 15. Februar 2008 in Düsseldorf. Präsentiert wurden gelungene Modelle, die zeigen, dass eine neue und erfolgreiche Zusammenarbeit möglich ist. „Es geht uns um die Kooperation auf gleicher Augenhöhe“, betonte der Landes­vorsitzende des Paritätischen, Cord Wellhausen: „Beide Seiten profitieren von der Stärke des anderen. Wirtschaft und Soziales müssen ihre eigene Rolle und Interessen als zivilgesellschaftliche Akteure neu bestimmen“.

Engagement ist ansteckend

WDR-Fernsehjournalist Klaus Bellmund moderierte die Veranstaltung und sprach mit den Akteuren und dem Publikum über ihre Erfahrungen. So berichtete der Essener Unternehmer Klaus Peter vom Familienbetrieb Peter Backwaren von seinen guten Erfahrungen mit dem gesellschaftlichen Engagement. Betrieb­liche Aktionen zugunsten gemeinnüt­ziger Initiativen und die Gründung eines Kinderhilfsfonds haben viel bewegt: „Man wird angetrieben, um immer wieder etwas Neues zu tun. Auch die Mitarbeiter/-innen wollen wissen, wann und wie es mit den Aktionen weiter­geht.“ Dieses Engagement ist durchaus im wirtschaftlichen Interesse seines Unternehmens: „Wir haben etwas davon, wenn wir uns sozial engagieren und dabei unsere Kunden mitnehmen. Gute Backwaren gibt es überall, wir können mit unserem sozialen Engagement einen Mehrwert für die Kunden vermitteln. Das ist Teil unseres Erfolges.“

Intakte Gesellschaft ist im Interesse

Für Dr. Georg Müller, Vorstandsvorsitzender der RWE Rhein-Ruhr AG, ist es selbstverständlich, dass ein Unternehmen, das Infrastrukturleistungen für die Bevölkerung erbringt, sich auch gesellschaft­lich engagiert. „Unser Geschäft und unsere Einbindung in die Zivilgesellschaft lassen sich nicht voneinander trennen“, so erklärte es Müller. Dabei ist der Imagegewinn nicht die einzige Triebfeder: „Eine intakte Gesellschaft ist auch im Unternehmensinteresse“. Als Beispiel nannte er das Projekt „Aktiv vor Ort“. Hier werden von Mitarbeiter/-innen vorgeschlagene Initiativen von RWE gefördert. Müller: „Wir haben mehr Mitarbeiteraktionen als unser Budget von immerhin zwei Millionen Euro jährlich hergibt.“ Damit sei das Unternehmen mitten in der Gesellschaft verankert, wie nicht zuletzt die Beteiligung am Ruhrdax zeige.

Erfolgsmodell Ruhrdax

Als nach eineinhalb Stunden die Glocke läutete, waren 120 ‚Matches’ in einem Gesamtwert von 152.000 Euro unter Dach und Fach“, berichtete Maike Ketzner-Wruck vom Ruhrdax 2007. Der Ruhrdax ist eine jährlich stattfindende Börse, in er sich zum Engagement bereite Unternehmen und soziale Initiativen begegnen. Hier werden Partnerschaften zwischen Unternehmen und gemeinnützigen Einrichtungen aufgebaut, konkrete Projekte verabredet und Ideen gemeinsam verwirklicht. Der Paritätische in NRW gehört zu den aktiven Organisatoren dieses Projektes (www.ruhrdax.de).

Das Unternehmen als „guter Bürger“

Prof. Dr. Wolfgang Stark von der Universität Duisburg-Essen näherte sich dem Thema von der wissenschaftlichen Seite. Als Direktor des Labors für Organisationsentwicklung (www.orglab.de) hat er viele Corporate Social Responsibility (CSR) – Projekte begleitet. „Es geht darum, das Unternehmen als ‚guten Bürger’ zu positionieren und soziale Verantwortung in die Unternehmensstrategie einzupassen.“ Kleine Unternehmen könnten das mit ihren Produkten verbinden. Bei großen Unternehmen sei das oft schwieriger. „Wir müssen die Idee des sozialen Unternehmertums stärken und das Soziale in die Unternehmensstrategie einpflanzen“, forderte Prof. Dr. Stark. Der Ruhrdax sei als „Speed-Dating“ für Unternehmen und soziale Träger ein gutes Beispiel dafür, wie Unternehmen und soziale Initiativen zusammengebracht werden.

Interkulturelle Verständigung fördern

Seit 2005 hat das Ministerium für Generationen, Familien, Frauen und Integration in NRW die Aktivitäten des Landes zum Bürgerschaftlichen Engagement und zum Corporate Citizenship in einem eigenen Referat zusammengeführt. Für Ulrike Sommer als Leiterin dieses Referates ist es besonders wichtig, dass sich Unternehmen und soziale Einrichtungen gegenseitig verstehen lernen. „Wir brauchen eine interkulturelle Verständigung zwischen den verschiedenen Welten“, betonte Sommer in ihrem Beitrag und definierte ihr Verständnis zur Rolle des Staates: Moderieren und Aktivieren. Als Beispiel nannte sie den Landeswettbewerb ENTERPreis für engagierte Unternehmen (www.engagiert-in-nrw.de).

Paritätischer braucht keine Nachhilfe

„Wir müssen die Unternehmen immer wieder ansprechen und die Kontakte erweitern“, forderte Sommer und stellte die langjährigen Aktivitäten der zuständigen Fachgruppe des Paritätischen in den Mittel­punkt: „Ihr Verband braucht dabei keine Nachhilfe“, stellte die Ministe­rialrätin fest. „Wir brauchen aber noch mehr Multiplikatoren in den Industrie- und Handelskammern sowie bei den Handwerkskammern.“ Es gehe nicht darum, dass sich der Staat aus der Verantwortung zurückziehen wolle. Daseinsvorsorge bleibe der Kernbereich des Staates. Trotzdem können sich Unternehmen und Bürger stark machen.

Verlässliche Partnerschaften

Cord Wellhausen machte deutlich, dass sich der Paritätische NRW im Interesse seiner Mitgliedsorganisa­tionen und der von ihnen betreuten Menschen auch weiterhin für eine bessere Zusammenarbeit zwischen Wirtschaftsunternehmen und sozialen Initiativen engagieren werde. „Es liegt im wechselseitigen Interesse, die soziale Landschaft zu pflegen. Hierzu bedarf es langfristiger, verlässlicher Partnerschaften“, so der Landesvorsitzende des Verbandes in seinem Schlusswort.


"Ohne Parität keine Verbindung" - Sozialpolitische Aktionen in NRW
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